Vorgaben des ESEF

Am 20.12.2018 hat die Europäische Kommission mittels einer delegierten Verordnung einen technischen Regulierungsstandard für ein EU-einheitliches elektronisches Berichtsformat freigegeben, der die folgenden Vorgaben für die Unternehmensberichterstattung macht.

xhtml-Pflicht für Jahresfinanzberichte

Alle Jahresfinanzberichte für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 01.01.2020 beginnen, müssen im Extensible Hypertext Markup Language (xhtml) Format veröffentlicht werden. Die Vorgabe trifft damit sowohl Jahresabschlüsse als auch Konzernabschlüsse deutscher Unternehmen. Da die Publizität weiterhin über den elektonischen Bundesanzeiger erfolgen soll, ist damit zu rechenen, dass dieser zukünftig nur noch das xhtml-Format aktzeptieren wird.

iXBRL-Etikettierungspflicht für IFRS-Konzernabschlüsse

Zu etikettierende Abschlussinformationen

Für IFRS-Konzernabschlüsse sieht die delegierte Verordnung vor, dass folgende Finanzinformationen zusätzlich so zu etikettieren („tagging“) sind, dass sie maschniell auslesbar und damit leichter zugänglich sind.

Zu etiktettieren sind für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 01.01.2020 beginnen:

  • 10 Basisinformationen gemäß Tabelle 1 in Anhang II der Verordnung (z.B. Unternehmensname, Rechtsform) und
  • die Informationen der primären Abschlussbestandteile (Bilanz, Gesamtergebnisrechnung, Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalveränderungsrechnung).

Für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 01.01.2022 beginnen, werden die Etikettierungspflichten dahingehend erweitert, dass zusätzlich auch im Anhang der Textblock mit Standardetiketten zu markieren ist, in dem die betreffende Angabe enthalten ist („block-tagging“). Wahlweise dürfen Unternehmen auch eine detailliertere Etikettierung der Anhanginformationen vornehmen.

Zu nutzende Etiketten: ESEF-Basistaxonomie

Eine Liste von Etiketten („ESEF-Basistaxonomie“) ist in Anhang VI der delegierten Verordnung enthalten. Diese Etikettenliste orientiert sich derzeit eng an der von der IFRS Foundation veröffentlichten IFRS-Taxonomie, wird in den Folgejahre jedoch ggf. Abweichungen hierzu aufweisen, da die IFRS-Taxonomie fortlaufende weiterentwickelt wird, und diese Änderungen von der ESMA anschließend erst noch in die ESEF-Basistaxonomie übernommenn werden müssen. Einen öffentlichen Konsultationsprozess, wie für neue RTS üblich, beabsichtigt die ESMA hierfür nicht, sondern plant lediglich Änderungen der bestehenden RTS-Anlage vorzunehmen.

Grundsatz der Etikettierung ist, dass eine Abschlussinformation mit dem Element der ESEF-Basistaxonomie zu markieren ist, das der rechnungslegungsbezogenen Bedeutung der Information am nächsten kommt (Anhang IV der delegierten Verordnung). Kommen mehrere Elemente in Frage, ist dajenige Element mit der engsten Bedeutung bzw. dem engsten Anwendungsbereich zu auszuwählen.

Erweiterung der ESEF-Basistaxonomie („Extensions“ und „anchoring“)

Sollte eine Markierung mit dem nächststehenden Element der ESEF-Basistaxonomie die Information falsch beschreiben, so darf der Ersteller die ESEF-Basistaxonomie unternehmensindividuell erweitern (Schaffung von „Extensions“) und dieses Etikett zur Markierung der Abschlussinformation nutzen. Voraussetzung ist jedoch, dass das Erweiterungselement

  • inhaltliche nicht der Bedeutung eines Elements der ESEF-Basistaxonomie entspricht,
  • der Unternehmensnahme des Elementerstellers ersichtlich ist,
  • die Bezeichnung der rechnungslegungsbezogenen Bedeutung entspricht und
  • die neu geschaffenen Erweiterung den Elementen der ESEF-Basistaxonomie hierarchisch zugeordnet wird („anchoring“), um die Beziehungen zu den bestehenden Elementen deutlich zu machen.

Fazit

Nach der Vereinheitlichung der Berichtsinhalte (IFRS-Pflicht für kapitalmarktorientierte Unternehmen; siehe www.eu-ifrs.de) vereinheitlicht die EU Kommission nun auch das Format zur Unternehmenspublizität. Finanzinformationen im xhtml-Format mit iXBRL-Etikettierungen sind sowohl von Menschen lesbar, aber auch maschinell auswertbar. Ziel der EU Kommission ist es, durch die maschinelle Auswertbarkeit Finanzinformationen zukünftig schneller und einfacher verfügbar zu machen, um die Kapitalmarkteffizienz zu erhöhen. Da für wesentliche Abschlussinformationen im Anhang (z.B. Angaben zu Pensionsrückstellugen) lediglich ein block-tagging verpflichtend ist, bleibt es abzuwarten, ob ESEF tatsächlich die für Abschlussleser relevanten Informationen leichter verfügbar macht, oder die EU Kommission die Liste der detailliert zu etikettierenden Informationen zukünftig „nachschärfen“ muss.