Prüfungspflicht für ESEF-Berichte?

Während die Frage der Prüfung von ESEF-Abschlüssen bislang offen war, äußert sich die EU-Kommission in ihrem die delegierte Verordnung (EU) 2018/815 („ESEF-Verordnung“) erläuternden Q&A-Dokument unter Frage Nr. 7 erstmals explizit hierzu:

What kind of assurance will be provided for financial statements prepared in compliance with ESEF? Will auditors check ESEF-compliant report?
Considering that the ESEF Regulation is a binding legal instrument, the Commission services are of the view that the provisions included therein shall be considered as „statutory requirements“ within the meaning of Article 28(2)(c)(ii) of the Audit Directive.

Q&A-Dokument der EU-Kommission zur ESEF-Verordnung, Frage Nr. 7.

Gemäß der EU-Kommission fällt die ESEF-Verordnung damit unter „gesetzlichen Vorschriften“ im Sinne von Artikel 28, Abs. 2 c) ii) der Richtlinie über Abschlussprüfungen:

Artikel 28 Bestätigungsvermerk
[…]
(2) Der Bestätigungsvermerk wird in schriftlicher Form verfasst und
[…]
c) umfasst ein Prüfungsurteil, das als entweder uneingeschränkt, eingeschränkt oder negativ erteilt wird und zweifelsfrei Auskunft darüber gibt, ob nach Auffassung des Abschlussprüfers oder der Abschlussprüfer bzw. der Prüfungsgesellschaft oder -gesellschaften
[…]
ii) soweit einschlägig – der Jahresabschluss den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

Artikel 28, Abs. 2 c) ii) der Richtlinie über Abschlussprüfungen.

Die EU-Kommission vertritt damit die Auffassung der Abschlussprüfer müsse mit Abgabe seines Bestätigungsvermerks grundsätzlich auch die Einhaltung der ESEF-Vorgaben beurteilen. Um in seinem Bestätigungsvermerk hierüber Auskunft geben zu können, wird sich der Abschlussprüfer während seiner Prüfung damit auch ein hinreichend sicheres Urteil zur Einhaltung der ESEF-Verordnung bilden müssen.

Folgt man der Auffassung der EU-Kommission, ist eine Prüfungspflicht der ESEF-Vorgaben damit nicht länger zweifelhaft, sondern liegt bereits verbindlich vor. Zu diskutieren sein wird damit nicht mehr das ob einer Prüfung, sondern nur noch der Detaillierungsgrad der Prüfung. Hierzu ist die EU-Kommission gemäß Frage Nr. 8 des Q&A-Dokuments in Abstimmung mit dem Committee of European Auditing Oversight Bodies (CEAOB), wie diese in der Praxis erfolgen könnte.

Unternehmen sind gut beraten, bei der Implementierung der ESEF-Vorgaben ihre Prozesse zur Etikettierung der Berichtsinformationen bereits im Geschäftsjahr 2020 so auszugestalten, dass sie prüfungssicher sind.